
25.04.2011, 05:44
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Amerikanisches Boxen
Hallo,
ich bin zur Zeit beruflich in Chicago / USA und trainiere während dieser Zeit beim "Chicago Boxing Club", Chicago's Premier Boxing Gym, Muay Thai and MMA facility
Ich wollte euch mal einen kleinen Erlebnisbericht und meine ersten Eindrücke schildern:
1. Profis + Amateure:
Als erstes fällt mir hier auf, dass in dem Verein Profis, Amateure und Fitnessboxer gleichzeitig trainieren. Das Gym hat grundsätzlich täglich von 9.00 bis 20.00 Uhr auf. Man kann jeder Zeit hingehen und für sich trainieren. Trainer sind immer da. Zusätzlich gibt es bestimmtes Gruppentraining im Gym, das grundsätzlich jeweils einmal täglich stattfindet (Jugend-, Anfänger- und Fortgeschrittenen-Training). Da das Gym in den genannten Zeiten immer geöffnet hat, kann man aber auch beliebig früher kommen oder länger bleiben, wenn man an einem Gruppentraining ("classes") teilnehmen will. Die "classes" entsprechen am ehesten dem Training, was ich aus deutschen Boxvereinen kenne.
Die Profis oder aktiven Amateure sprechen sich zudem mit den sie betreuenden Trainern ab, wann sie mit ihnen Pratzen- und Einzeltraining machen (meistens tagsüber, da das Gym dann leerer ist).
Der Verein ist im Amateurbereich sehr erfolgreich. Er war in den letzten Jahren regelmäßig erfolgreichster Verein beim amerikanischen "Golden Gloves-Tunier". Von den Profis kenne ich die meisten ehrlich gesagt nicht. Allerdings habe ich dieses Wochenende ANDREW GOLOTA kennengelernt, der hier lebt und trainiert. Natürlich ist der über seinen Zenit hinaus, aber er ist für mich immer noch eine imposante Erscheinung und haut auch ganz gute Beulen in den Sandsack . Vaughn Bean (hat mal gegen Vitali Klitschko geboxt) hab ich hier auch schon gesehen.
2. Technik/Beinstellung
Die Technik wird hier anders beigebracht als ich es aus Deutschland kenne.
Insbesondere ist die Fußstellung anders:
Der vordere Fuß zeigt (beim Normalausleger) etwa 45 Grad nach rechts. Der rechte Fuß zeigt 90 Grad nach rechts. Die Füße stehen fast auf einer Linie, so dass die Boxer ausgesprochen schräg stehen und die linke Schulter sehr weit nach vorne gedreht ist.
Ich wurde auch schon aufgefordert, mich schräger hinzustellen. Meine Grundstellung (ich hab es quasi genauso gelernt wie in der boxen-training-dvd, d.h. ziemlich kompakte Deckung, beide Füße zeigen nach vorne, relativ paralleler Stand) würde mich zu wenig gegen "body-shots" schützen, weil ich dem Gegener zuviel Angriffsfläche bieten würde.
Beim Schlagen der rechten Gerade wird die rechte Ferse nach vorne gedreht, so dass sie fast in Richtung des linken Fusses zeigt und die rechte Seite der Hüfte deutlich vor der linken steht. Darauf wird mehr Wert als auf das Durchstrecken des Beines bzw. der Hüfte gelegt.
Die klassiche Regel "bei jedem Schlag ein Schritt" kann ich hier nur beim Jab erkennen. Es scheint mir eher so, dass sich die Boxer hier normal im Passgang zum Gegner hinbewegen, dann aber die Schläge aus dem Stand schlagen.
Mein Stil wurde vom Cheftrainer auch sofort als "europäisch" erkannt. Ich hatte vor dem Spiegel mich "federnd-gleitend" bewegt und war immer ein wenig vor- und zurückgesprungen. Dieses Vor- und Zurückfedern machen die Amis nicht, auch nicht auf der langen Distanz.
3. Technik/Deckung
Die Deckung ist hier ein wenig lässiger als in Deutschland. Die rechte Hand steht in etwa gleich. Mit der linken wird öfters gespielt. Sie legen hier die linke gerne auch mal quer über den Bauch und verteidigen sich nur mit der linken Schulter und der offenen Rechten. Die linke Schulter ist hier soweit nach vorn gedreht, dass es auch einfacher ist, sich damit abzudecken. Ansonsten wird sehr viel Wert auf Meidbewegungen gelegt. Ständiges Rollen und Pendeln. Wenn es klappt, sieht es ziemlich gut aus. Allerdings sieht man manchmal auch, dass ein Boxer, wenn er dabei mal "auf dem falschen Fuss" erwischt wird, sich auch gleich mal 4 bis 5 Treffer auf einmal fängt.
Selbst wenn ein Boxer die Deckung - nach meinem Empfinden - total vernachlässigt, kommt meistens nur die Anweisung "Kinn runter" anstatt "Hände hoch".
4. Technik/Schläge
Bei den Schlägen fällt auf, dass hier generell mehr geschlagen wird. Insbesondere sind Serien von 5-6 Schlägen ausschließlich auf den Körper nicht selten. Auch der linke Kopfhaken wird viel eingesetzt (bietet sich durch die weit nach vorn gedrehte linke Schulter auch an).
Es wird weniger aus der langen Distanz geboxt als bei uns. Es werden auch seltener akzentuierte harte Einzelschläge oder 1-2-Kombinationen ausgeführt.
Die Boxer bleiben viel länger im Nahkampf stehen und schlagen beide mit. Es wird stets versucht, sich letztlich im (offenen) Schlagabtausch durchzusetzen (sog. "exchange"), anstatt ihn zu meiden.
5. Pratzentraining
Das Pratzentraining verläuft auch etwas anders. Ich habe es bis jetzt aber erst einmal hier gemacht, kam damit (noch) nicht zurecht: Der Trainer steht wesentlich näher an einem dran. Beim Halten kommt er einem EXTREM entgegen. Die Schläge sind also alle sehr kurz. Harte Schläge sind nicht gefragt. Der Trainer verlangt nur flüssige und möglichst schnelle Ausführung, wobei dann in der Regel 7- oder 8-Kombinationen inklusive Meidbewegungen verlangt werden. Diese Kombinationen haben schon fast etwas von einer "Choreographie". Die Kombination selbst wird aus dem Stand geschlagen. Man kann sich solche Videos auf Youtube ansehen, z.B. von Floyd Mayweather. Das wurde hier im Forum auch schon mal diskutiert.
6. Sparring
Das Sparring hier findet nur mit Kopf- und Tiefschutz statt. Es ist ziemlich hart. Auch bei richtigen Volltreffern, bei denen beim Amateurwettkampf - wie ich ihn kenne - auf jeden Fall angezählt werden würde, wird der Kampf nicht unterbrochen. Auch dann nicht, wenn das Sparring zur Schlägerei wird und man fühlt, dass gerade sehr viel "böses Blut" drin ist - ihr wisst was ich meine.
7. Euer Ratschlag
Ich würde jetzt gerne mal von euch wissen, was ich von dem hier Gelehrten übernehmen soll bzw. es zumindest mal probieren sollte, oder was ich auf jeden Fall lassen sollte.
Was mir vom Stil hier gefällt sind die hohe Aktivität, das "body-punching", die hohe Beweglichkeit und in gewisser Weise auch die beherzte Kampfesweise. Negativ finde ich, dass die gesamte Kampfgestaltung mir weniger durchdacht, sondern eher intuitiv vorkommt - verglichen mit Deutschland.
Was haltet ihr von der Beinstellung?
Mich würde auch interessieren, ob ihr mir irgendwelche Tipps fürs Sparring geben könnt, da ich in den nächsten 1 bis 2 Wochen ins Sparring einsteigen wollte. Hab 7 Amateurkämpfe gemacht, aber natürlich keine Erfahrung mit Gegnern, die diesen amerikanischen Stil boxen.
Vielen Dank im Voraus!
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25.04.2011, 08:34
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Moderator
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Hallo, boxe so wie Du es in Deutschland gelernt hast,denn damit machst Du keinen Fehler! Auch hast Du ja bereits einige Kämpfe hier bestritten,sodass Du nicht unerfahren bist. Die Amerikaner haben das Boxen ja nicht neu erfunden und erfolgreich sind sie international auch nicht mehr!Was was Du wann schlägst,weisst Du ja,einfach situationsangemessen reagieren,vor allen Dingen mit der Beinarbeit. Bewege Dich ständig,jedoch zielgerichtet,d.h.jeder Schritt den Du machst,hat auch seinen Sinn,entwede dass Du dann den Gegenangriff startest,oder durch den Schritt eine Spezialaktion durchführst!! Nie einfach so durch die Gegend springen,denn das kostet Energie und bringt Dich oft in eine Position,in der Du nicht hart schlagen kannst!Auch die Beinstellung lasse sie wie sie ist,Fußspitzen zeigen in Schlagrichtung! Im Nahkampf schnell und explosiv arbeiten und ebenso schnell aus dem Nahkampf über die Seite links oder rechts auf die Distanz wieder raus !
Die Amerikaner haben in den früheren Jahren gute Leute gehabt,aber was jetzt so ist,ist international nichts besonderes!
MfG
Josef
Geändert von Josef Riehl (25.04.2011 um 08:39 Uhr).
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25.04.2011, 09:49
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Da gebe ich Josef recht. Das amerikanische Amateurboxen ist zur Zeit nicht mehr das was es einmal war. Mach es einfach so wie du es bis jetzt gemacht hast. Bleib nicht nach deinen Schlägen stehen, sondern lös dich sofort wieder. Die Amis werden nur drauf warten, dass du stehen bleibst. Du wirst sehen, dass du sie sicher im Griff haben wirst. Aber lernen kannst du da auf alle Fälle was. Es ist ein komplett anderer Stil.
Viel Spaß
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25.04.2011, 12:14
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Haha ! Du Glückspilz! Ich würde gerne mit dir tauschen wollen!
Da kannst du nur etwas lernen, umso mehr Eindrücke du hast umso besser kannst du dich auf sowelche Sitautionen einstellen, falls du irgendwann International und Übersee boxen wirst. Aufjedenfall schau dir die Techniken genau an!
Ganz ehrlich, was ich dir von den Amerikaneren empfehlen würde ist die
hohe Schlagserie von 6-8.Schlägen. Das hat den pyschologischen Aspekt das es den Gegner wirklich demoralisiert, wenn er mit 2.Jabs kommt und du 6.Schläge abfeuerst auch wenn sie keine Wirkung zeigen.
Aufjedenfall nehm die Agressivität der Amerikanern zuherzen und verinnerliche Sie, und das Taktische Boxen der Deutschen oder Englänger. Würde ich dir empfehlen!
Bleib am besten oft auf Distanz, und nutze die nachlässigkeit der Deckung zu deinen Gunsten! Wenn du eine Lücke findest, schlag bitte höhere Schlagabfolgen raus . Dann wieder auf Abstand, wenn man den offenen Nahkampf sucht, versuche ihn bestmöglich zu vermeiden, deine Schläge sollten Stichartig rüberkommen!
Und übernehme aufkeinen Fall die aus dem Stand schlagen Art! Wenn du eine auf das Kinn bekommst, ist es leichter umzufallen, auf den Zehnspitzen kannst du Schläge abdämpfen indem du in die geschlagene Richtung springst! Mit jedem Schritt ein Schlag! JA! BLEIB DABEI! Damit ziehst du einfach mehr Kraft aus den Beinen!
Die Meidbewegungen ... mhmpf ... Ich weiß nicht genau, ich würde denke ich mal mir die eine oder andere Scheibe davon abschneiden. Meiden ist besser als den Schlagabfangen finde ich. Übe das!
Fazit : " Nehm das beste von beiden Boxarten ! -  Dann gehst du nach Osteuropa und übst noch deren Boxtechniken -  Dann bist du ultimativ !: D
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26.04.2011, 06:46
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Danke für eure Antworten!
Ich werde die Tage mal weiter berichten, falls ich etwas Interessantes sehe.
Hatte die amerikanische Beinstellung mal im Schattenboxen ausprobiert. Bis jetzt fällt es mir dann aber schwer, eine lange rechte Gerade zu schlagen.
Allgemeine Frage: Wie wichtig ist es, dass der rechte Fuß (beim Normalausleger) immer nach vorne zeigt? Oder reicht es, dass er leicht zur Seite zeigt, vielleicht 45 Grad, und nur im Moment des Schlages nach vorne zeigt? Ich persönlich hatte es wie gesagt so gelernt, dass grundsätzlich beide Fußspitzen immer nach vorne zeigen, auch wenn ich gerade nicht schlage. Ich muss allerdings zugeben, dass ich es in der langen Distanz recht bequem finde, wenn insbesondere der rechte Fuß etwas nach rechts zeigt und nur beim Schlagen der Geraden nach vorne zeigt. Im Nahkampf hingegen zeigen die Füße bei mir immer nach vorne. Dort habe ich die rechte Ferse eigentlich auch nicht mehr angehoben.
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26.04.2011, 10:01
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Es ist schon in Ordnung, dass der rechte Fuß etwas nach rechts zeigt. 45 Grad sind vollkommen ok. Kein Boxer steht genau geradeaus mit den Füßen. Wichtig ist halt dann beim Schlag der rechten Hand, dass du den Fuß rein drehst.
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26.04.2011, 10:08
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Ein sehr schöner Bericht! Sehr gut beobachtet!
Die Trennung zwischen Amateur- und Profi-Boxen ist angeblich nur in Deutschland so strikt. In Deutschland kann man fast schon zwischen zwei Sportarten reden. Speziell in Amerika wird hier weniger unterschieden und das Amateurboxen nur als eine Art Vorstufe zum Profi-Boxen gesehen. Deshalb orientiert sich hier der Amateur-Boxstil auch mehr am Profi-Boxen bzw. es wird eigentlich auf die anderen Rahmenbedingungen beim Amateurkampf (weniger Runden, kürzere Runden(früher) usw.) nicht eingegangen. Das ist mir in der amerikanischen Literatur und in dem was man so an youtube Videos aus den USA findet aufgefallen.
Der amerikanische Boxstil kommt mir insgesamt relativ unreflektiert vor. Das soll heissen ich habe den Eindruck, dass dort viel unterrichtet wird, von dem viele nicht genau wissen warum sie es unterrichten und man deshalb auch nicht mehr flexibel ist. In Deutschland, spezieller Osteuropa, DDR etc. ist das Boxen wissenschaftlicher 'betrieben' worden. Dort haben sich Hochschulen, Professoren und Doktoranden mit dem Sport (natürlich im Amateurbereich) auseinandergesetzt, während man in Amerika das alte Wissen eher in Form von Mund-zu-Mund Propaganda weiter gereicht hat. Das sind meine subjektiven Eindrücke nach dem Studium der 'Box-Lehrbücher'
Das muss nun nicht heissen, dass man alles Verteufeln muss was in den USA gelehrt wird. Wie du geschildert hast, setzen die Amerikaner mehr auf Meidbewegungen als auf Deckung. Die Philosophie dahinter ist, dass man durch eine Meidbewegung, wenn man sie richtig beherscht, die Übersicht behält und sofort zum Gegenangriff übergehen kann. Weiterhin schlägt der Gegner ja vorbei, hat keinen Widerstand, kommt so aus dem Gleichgewicht und kann auch ohne Widerstand die Hand nicht mehr so schnell zurück ziehen als hätte er auf die Deckung geschlagen. Im Gegenzug dazu verlangt die Meidbewegung jedoch viel mehr Erfahrung und auch ein sehr hohes Reaktionsvermögen und birgt immer noch das Risiko beim zweiten oder dritten Schlag getroffen zu werden. Mit diesem Hintergrund sehe ich es so: Richtig oder flasch kann man hier nicht sagen, einen Anfänger kann man nicht mit Meidbewegungen boxen lassen weil er die Erfahrung nicht hat. Jemand der nicht über die nötigen Reflexe und die Beweglichkeit nicht hat ebenfalls nicht. Hast du die Reflexe und trainierst dies gezielt, kann es jedoch sehr erfolgreich sein.
Die Beobachtung, dass die Amerikaner eher den Schlagabtausch suchen, als gezielte Treffer zu setzen deckt sich auch mit meiner Beobachtung. Hierzu muss man, so denke ich, wieder den Historischen Hintergrund sehen. In den Osteuropäischen (kommunistischen) Ländern wurder lediglich Amateurboxsport unter dem Gesichtspunkt der Erziehung bzw. (Volks-)Gesundheitsförderung betrieben. In Amerika ist (Profi-)Boxen, und wie gesagt Profi-Boxen wird in Amerika nicht so abgegrenzt vom Amateurboxen, hauptsächlich ein Show-Sport! Und das Publikum ist Sensationslustig. Und ein Schlagabtausch über 5...6 Schläge ist natürlich unterhaltsamer als Klitschkos 1-2 Schlagverbindungen bzw. Abrahams Doppeldeckung.
Darin ist, meiner Meinung nach, auch der Mißerfolg der Europäischen Boxer in den USA begründet. Mißerfolg nicht aus sportlicher Sicht, sondern eher aus wirtschaftlicher Sicht. Unspäktakuläre Boxer kann man dort einfach nicht verkaufen. Und ich bin mir sicher, würde man hier amerikanische Kämpfe im TV übertragen, würde sich hier auch keiner mehr für Marco Huck oder Arthur Abraham interessieren. (wobei diese jetzt vielleicht keine guten Vertreter des europ. Amateurstils sind - zugegeben)
Back to Topic: Europa-Ost-Europa: Gesundheitssport, Verletzungen vermeiden, Breitensport
im Gegensatz dazu USA/Südamerika: Show-Sport, Spektakel, 'Männlichkeit'
Mich würde interessieren, wie die Amrikaner das Schlagen der FH unerrichten, achte mal darauf. Es gibt viele verschiedene Varianten, aber eine Variante erscheint mir sehr USA typisch und ich finde sie ein wenig 'Merkwürdig':
Die amerikaner schleudern hierbei die Hand quasi aus der Schulter heraus, und reden von einer Art Peitscheneffekt. Dabei trifft die hand nicht selten mit der Aussenhand in ca. 45° Winkel auf das Ziel und der Arm rollt sich dabei, ähnlich einer Peitsche, aus. Beispiel wäre hier Ronald Hearns vs. Felix Sturm. Meiner Meinung nach ist der Schlag vielleicht sehr schnell, aber eigentlich kann hier nicht mehr viel Kraft aus dem Körper übertragen werden, so dass es sich hier eher um eine Art Wischer handelt. Würde mich interessieren wie und warum die Amerikaner das 'lehren'.
Beinstellung:
Ich habe irgendwo im Internet, teils SEHR ALTE, englische Literatur gefunden. Niemand lehrt dort die Beinstellung wie in Deutschland, sondern man orientiert sich an der alten Literatur. Grund hierfür ist wiederrum die Reflektion die in Europa stattgefunden hat. In Osteuropa haben sich Biomechaniker darüber gedanken gemacht, was ideal ist, in den USA lehrt man das was 1950 irgendein pragmatiker für sinnvoll hielt. In den alten Büchern findet man auch ganz abtruse Stellungen: Vorderer Fuß 45° und hinterer Fuss zeigt gerade zum Gegner, beide Füße auf einer Linie, Schulter dem Gegner zugewandt. Das erfordert so eine Verdrehung, so dass ich mich überhaupt nicht mehr bewegen konnte und völlig instabil stand. (Gut es war ein Buch irgendwann 18XX über Bare-Knuckle-Boxen und orientierte sich am Fechten).
Interessant ist übrigens auch dass die Amrikaner immer glauben, dass es sich beim Boxen um eine der Ur-Amerikanische Sportart handeln würde, und man deshalb die Weisheit mit Löffeln gegessen hat. Dabei haben die amerikaner den Boxsport lediglich erfolgreich kommerzialisiert und damit einfach den grössten Markt und damit sicher gute Voraussetzungen was Trainingsmöglichkeiten angeht. Während man in Deutschland in irgendwelchen Schultrunhallen nachmittags in Gruppen rumtrainiert, gibt es in den USA anscheindend flächendeckend, kommerziell betriebene Box-Gyms so wie es bei uns die Fitness-Studios gibt. Hier wäre mangels Publikum so eine Art des Betriebes gar nicht möglich, vermute ich einfach mal. In den USA geht halt auch 'Average-Joe' ins Gym, der deutsche Otto-Normalverbraucher Hans Mustermann hätte hier einfach Berührungsängste bzgl. Millieu- und Türsteher - Publikum etc. Einfach die alten Stereotypen (oder Stereoidtypen...?).
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27.04.2011, 04:09
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@ scientist
also zur Lehrweise der Führhand kann ich zumindest bezüglich der Bewegungsausführung keine wesentlichen Unterschiede zu Deutschland feststellen. Die Führhand soll - wie bei uns - ohne Ausholbewegung nach vorne gestoßen werden, Ellenbogen bleibt unten, Faust wird auch hier gedreht und die Führhand wird mit einem Step des linken Beines nach vorne geschlagen.
Da insbesondere die linke Hand oft tief gehalten wird, ist es aber nicht ganz einfach zu erkennen, welcher Schlag jetzt kommt, z. B. Aufwärtshaken oder von unten geschlagene Gerade.
Durch die weit nach vorne gestellte linke Schulter ist die Distanz zum Gegner verkürzt, wodurch natürlich nicht mehr so viel Schwung durch das Eindrehen der Schulter erzeugt werden kann. Dafür ist es dann aber leichter die linke Hand gleich als Kopfhaken ins Ziel zu bringen, weil die Distanz eben kürzer ist.
Der Kopfhaken wird hier mehr oder weniger genauso beigebracht, wie ich das schon einmal in einem Trainingsvideo von Freddie Roach gesehen habe, d.h. keinerlei Ausholen, kleine Auftaktbewegung mit dem gesamten Körper ist aber okay und der Schlag wird durchgeschlagen, d.h. nicht in der Mitte abgestoppt.
Hier ist das Video. Erläuterungen zum linken Haken kommen in der Mitte des Videos:
YouTube - Speedbag - boxing training tips
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27.04.2011, 08:30
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Ort: wien
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Amerikanisches Boxen...  scheint cool.
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28.04.2011, 16:09
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berichte mal anschließend bitte, wie das sparring war. ob du überlegen warst durch deinen "europäischen" stil oder nicht.
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