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Alt 29.08.2009, 21:57
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Standard Zur WM in Italien

Vorschau: Amateurboxweltmeisterschaft in Italien

Krise - Deutsche Amateurboxer schon vor dem Boxturnier am Boden

© Marco Theuer
29.08.2009

In Mailand findet vom 29.08.2009 bis 13.09.2009 die Boxweltmeisterschaft der Amateure statt. Die Chancen der deutschen Boxer und das Medieninteresse sind jedoch gering.

Nach der sportlichen Pleite der deutschen Amateurboxer bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking droht bei der Box-WM 2009 der nächste Niederschlag. Der Deutsche Boxverband (DBV) ist fast pleite und befindet sich damit in der größten finanziellen Krise seiner Geschichte. Seine Existenz und damit das olympische Boxen sind bedroht. Der Verband bettelt bereits öffentlich um Spenden. Sportliche Triumphe kämen für den DBV da gerade recht. Doch die Medaillenchancen der deutschen Boxer in diesem Boxturnier sind alles andere als hoch. Ein weiteres Debakel lässt sich nur mit viel Glück bei der Auslosung der Kampfpaarungen verhindern. Einzig der Berliner Jack Robert Culcay-Keth stellt so etwas wie einen Hoffnungsschimmer für das deutsche Boxteam dar.

Beurteilung der Mannschaftsaufstellung nach Medaillenaussichten


  1. Jack Robert Culcay-Keth, 64kg, Jahrgang 1985, Weltrangliste 13, starker Fighter, aber physische Nachteile
  2. Konstantin Buga, 75kg, Jahrgang 1985, Weltrangliste 40, talentiert, doch schwaches Nervenkostüm
  3. Denis Makarov, 54kg, Jahrgang 1986, Weltrangliste 34, hat sich stetig verbessert, vielleicht gut für eine Überraschung
  4. Stefan Köber, 91kg, Jahrgang 1984, keine Top75-Platzierung, gute Anlagen, aber immer wieder Schwächen in der Defensive
  5. Rene Krause, 81kg, Jahrgang 1985, Weltrangliste 39, kein Turnierboxer, „ewiges Talent“, das noch auf den großen Durchbruch wartet
  6. Erkan Teper, +91kg, Jahrgang 1982, keine Top75-Platzierung, tapfer und kraftvoll, doch wenig internationale Erfahrung
  7. Ronny Beblik, 51kg, Jahrgang 1986, Weltrangliste 67, körperlich nicht robust genug und boxerische Mängel
  8. Sandro Schaer, 57kg, Jahrgang 1984, Weltrangliste 88, boxerisch zu leicht auszurechnen
  9. Eugen Burhard, 60kg, Jahrgang 1987, keine Top75-Platzierung, wenig Schlagkraft, boxt zu eindimensional
Die WM in Mailand - Heimvorteil für italienische Meisterboxer

Mehr als 600 Boxer aus über 140 Ländern nehmen an der 15. Boxweltmeisterschaft teil. Gekämpft wird zum letzten Mal in elf verschiedenen Gewichtsklassen, danach fällt das Federgewicht weg. Erstmals seit langer Zeit gilt wieder die traditionelle Kampfdauer von drei Runden zu je drei Minuten. Die größte Attraktion wird sicher das Auftreten von Roberto Cammarelle im Superschwergewicht sein. Der Olympiasieger von 2008 wurde in Mailand geboren und lebt in der Nähe der italienischen Großstadt. Eine gewaltige Fanunterstützung ist dem Lokalmatador gewiss. Nicht minder gespannt werden die Italiener auf Landsmann Clemente Russo sein, der im Schwergewicht als Titelverteidiger antreten wird. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Domenico Valentino, 60kg.

Wieder dabei: Topfavorit Kuba


Nachdem die Boxmacht Kuba die letzte Box-WM 2007 in den USA aus Angst vor Abwerbung und Fluchtgefahr ihrer Sportler boykottiert hatte, greift sie mit einem neuen Team in Italien wieder ins Medaillenrennen ein. Anmerkung: In den letzten Jahren flüchteten mit Odlanier Solis, Yuriolkis Gamboa, Yan Barthelmi, Guillermo Rigondeaux und Erislandy Lara die Säulen der kubanischen Nationalmannschaft bei Auslandsstarts in kapitalistische Staaten, weil sie mit gutdotierten Berufsboxangeboten geködert wurden. Die Gründe für die Fluchtbereitschaft liegen zum Beispiel in den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf der Zuckerinsel und in der kubanischen Sportpolitik.

Die stärksten Boxer und Boxnationen aus Europa


An der Spitze steht Russland mit absoluten Boxkönnern wie den beiden Titelverteidigern Sergey Vodopiyanov (57kg) und Albert Selimov (60kg) sowie Artur Beterbiev (81kg) und Georgy Balakshin (51kg). Dennoch ist es fraglich, ob Russland seinen Triumph von der WM 2007 mit 8 Medaillen wiederholen kann. Zu einem Star des Turniers könnte sich der Supertechniker Vasyl Lomachenko aus der Ukraine entwickeln, der von der AIBA zum P4P-König gekürt wurde. Erfahrene und gute Boxer haben auch Italien, England, Frankreich und Irland aufzubieten. Deutschland spielt wahrscheinlich eine eher untergeordnete Rolle.

Die stärksten Boxer und Boxnationen aus Amerika


Wenn man im Amateurboxen von Amerika spricht, ist in erster Linie von der Boxweltmacht Kuba die Rede. Seit Jahrzehnten dominieren die Athleten von der Zuckerinsel das Geschehen im Boxring. Allerdings musste Kuba bei Olympia 2008 eine empfindliche Schlappe hinnehmen. Bei der Nationenwertung blieb Kuba zwar die Nummer Eins vor Russland, allerdings konnte kein kubanischer Faustkämpfer Gold erboxen. Trotz aller Rückschläge: mit starken und turnierbewährten Boxern wie Yankiel Leon Alarcon (54kg), Rosniel Iglesias (64kg), Carlos Banteur Suarez (69kg) oder Osmai Acosta (91kg) sind die Kubaner die Topfavoriten auf die vorderen Plätze. Aufsehen und Interesse wird dabei das Debüt von Erislandy Savon Cotilla im Superschwergewicht wecken. Erislandy ist der Neffe des berühmten und legendären Felix Savon. Ein sehr unerfahrenes und junges Team um Superschwergewichtler Mike Hunter schickt dagegen die USA ins Rennen.

Die stärksten Boxer und Boxnationen aus Asien


Asien hat sich zu einem wichtigen Kontinent entwickelt, was den Faustkampf angeht. Bei der letzten Olympischen Spielen holten die Chinesen Zou Shiming (48kg) und Zhang Xiaoping (81kg), der Thailänder Somjit Jongjohor (51kg), der Mongole Enkhbat Badar-Uugan (54kg) und der Kasache Bakhyt Sarsekbayev (69kg) Gold für Asien. Experten bezweifeln dennoch, dass den Asiaten in Italien ein ähnliches Kunststück gelingt, denn sie müssen wegen Verletzungen auf einige bewährte Starboxer verzichten. Eine neue Boxwelle scheint dafür aus Indien heranzuströmen: die indischen Kämpfer haben nämlich bei den letzten Vorbereitungsturnieren mit überraschenden Siegen für Furore gesorgt.

Die stärksten Boxer und Boxnationen aus Afrika und Ozeanien


Afrika hat in der Vergangenheit immer wieder einzelne kampfstarke Recken hervorgebracht. In der Breite allerdings fehlte bislang der durchschlagende Erfolg, was auch an den schlechten und ärmlichen Verhältnissen in den Ländern Afrikas liegt. Mit der größten Anzahl an Boxern in der AIBA-Geschichte reisen die Nationen aus Ozeanien an. Die aussichtsreichsten Erfolgschancen liegen wohl bei der australischen Boxmannschaft. Trotzdem spielen die Boxer aus diesen Kontinenten bei der Vergabe der Medaillen lediglich eine Außenseiterrolle.
PS: Bleibt am Ende für den Amateurboxsport zu hoffen, dass sich für die 15. Boxweltmeisterschaft der Amateure nicht folgender Spruch eines Besuchers der letzten WM bewahrheitet: „Wenn man alle Leute mit einer Akkreditierung bittet, die Halle zu verlassen, reichen die zahlenden Fans nicht für eine Pokerrunde.“ Auf der Webseite der AIBA findet man übrigens die aktuellen Boxeranglisten für jede einzelne Gewichtsklasse und weitere Infos zur WM.

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