Danke für die Belehrung.
Dennoch finde ich die Kurzgeschichtensammlung unterdurchschnittlich.
Das Problem ist, daß die meisten AutorInnen keinerlei Ahnung vom Boxsport zu haben scheinen und selbst die Kurzgeschichte von Frau Kelly ziemlich unbefriedigend ist. Bei den meisten AutorInnen hat man den Eindruck, daß ihre Geschichten eine Art Pflichtübung waren (in Luxemburg würde von viele der Geschichten als "Pittis Aufsatz" bezeichnen).
Ich weiss auch, daß in dem Band keinerlei Reportagen sind, sondern sich an Belletriskik versucht wird. Aber nicht jeder ist ein Bud Schulberg oder ein Ernest Hemingway (aber diese haben ja auch Ahnung vom Boxen gehabt und dieses Wissen in ihre Kurzgeschichten um den Boxsport auch meisterhaft eingebaut).
Hier sind die Enden der Geschichten meistens aufgesetzt und an den Haaren herbeigezogen.
Am Ende der Geschichten haben wir dann z.B. eine ein Playstation-Boxspiel spielende Gedankenboxerin ("Freundschaftskampf"), einen bankraubenden Boxtrainer der urplötzlich (ich will den Grund nicht vorwegnehmen) sich vom Frauenboxen-Saulus zum Frauenboxen-Paulus wandelt ("Marlene boxt"), die Verwechslung zwischen Boxer (= Hund) und Boxer(= Faustkämpfer) ("Der Boxer und sein Killer"), billigste Dreigroschenlettristik ( "Der Ringrichter", voller Klischees, idem der tränenrührende "Tod auf dem Schabutt" über Jahrmarktboxe und einen tragisch endenden Revanchefight zweier Rivalen).
Daß in Deutschland normalerweise Profis und Amateure nicht in demselben Verein sind
und Ringrichter nicht sowohl Profis als auch Amateure in ihren Kämpfen leiten (was es sehr wohl in anderen Ländern gibt, scheint auch nicht bekannt zu sein).
Einige Geschichten sind zwar etwas besser (" Nur der Cutman" von M. Pfennig, wo Boxsachwissen vorhanden ist), aber grosso modo hat die Geschichtchensammlung doch den Geschmack von Bahnhofsliteratur. Sollte Belletristik angestrebt worden sein, so ist dies leider misslungen.
Dreigroschenromane rund um das Boxen sind manchmal besser und interessanter , z.B. "Tod in der ersten Runde" von Frank Kane(1968 im Kurt Desch Verlag erschienen und von dem man für 50 Eurocent auf
http://www.booklooker.de/app/detail....=0&&sortOrder= ein benutztes Exemplar erwerben kann, was ich eher als "Million dollar Mama" empfehlen täte).
Ach ja, Max Helfert. Auch wenn der Mann mit René Weller "Boxen mit René Weller" verfasst hat und in der Reutlinger Tierschuftzzeitung interessante Artikel verfasst und sein Engagement für das Boxen bestimmt lobenswert ist, er wird doch bestimmt auch bemerkt haben, was da alles von literarischen Grausamkeiten in dem Bändchen steht.
P.S. Alex B. Crombin, der hier den Beitrag 2 verfasst hat und aus Reutlingen stammt ( wo Herr Helfert in der Tierschutzzeitung schreibt, scheint Frau Kellys Literatur ja speziell zu lieben, bei Amazon findet man folgende positive ( und gut geschriebene) Rezession zu einem anderen Werk von Frau Kelly:
http://www.amazon.de/gp/pdp/profile/AJVGCAE0VPRIP .