Also, mal ehrlich, was hätte da Sebastian tun sollen? :

Um Castilejo hat sich bereits, wie es sich gehört, eine ordentliche Menge versammelt,
ich nehme an, darunter war mindestens ein Arzt und genügend Personal, das dafür ausgebildet ist,
die Boxer in solchen Situationen zu versorgen. Wahrscheinlich wäre es romantischer
und idealtypisch zum Dahinschmelzen, wenn Silvester alle auf die Seite gestoßen
und versucht hätte die Castilejo’s Zunge auf ihren ursprünglichen Platz zu holen?
Wäre das eine Geste, die Sebastian noch erzeugen musste, um 100% Everybody’s Darling zu werden?
Ich glaube auch da war er ehrlich und hat seine unendlichen Freude den freien Lauf gelassen,
in Zuversicht, dass Castilejo schon nicht allein da auf den Brettern liegt und auf jeden Fall professionell versorgt wird,
und nicht nur auf die Demonstration vom Silvesters Mitgefühl angewiesen ist.
Hätte er das so getan, wäre er für mich eher ein Heuchler.
Es fragt sich, wieso stellt sich ein Profi-Kampfsportler in den Ring gegenüber dem Anderen:
wie viel Mitleid und Sorge und wann ist da angebracht?
Man will den Anderen so stark wie möglich hauen,
und gleichzeitig sollte man besorgt sein, dass man blöß nicht zu stark haut... ?
Da kann man sich gleich mit Diagnose Schizophrenie als Kampfsportler abschreiben.
Silvester hat das zu dem richtigen Zeitpunkt getan und zwar nicht um allen zu zeigen,
wie toll er ist, dass er sich jetzt sofort um den Gegner kümmert, sondern nach Möglichkeit diskret.
Aber ich glaube am besten ist es, Silvester selbst zu fragen:
was er nach 1 Sekunde nach den KO und was nach 5 Minuten gefühlt hat.
Zu diesen Meinungsverschiedenheiten:
von Objektivität darf man hier gar nicht sprechen,
die menschlichen Beurteilungen beruhen wohl meistens auf den Sympathien und den Abneigungen.
Das ist ganz menschlich: wenn man Jemanden nicht so gerne hat,
sieht man viel schneller etwas Negatives in ihm.
Ich kenne das gut, mit ist z.B. Dimitrenko unsympathisch,
da beschuldige ich ihn ganz gerne etwas schneller der Unsportlichkeit als z.B. Abraham